Hintergrund, preload

filmstillDer Film entwickelt seine Geschichte wie ein Detektivfilm. Insofern sollte man nicht allzu viel vorab verraten. In Israel waren die Menschen, die ihn ihren Freunden empfehlen wollten, peinlich darauf bedacht, nur das Nötigste über seine Geschichte zu erzählen.

Wenn ich eine Film mache, bin ich darauf gefasst, dass mich das über einen langen Zeitraum beschäftigen wird. Jeden Stein muss ich umdrehen, jeden Flecken Erde umgraben. Ich weiß genau, dass das etwas in mir auslösen wird, der Prozess des Dokumentarfilmemachens geht ja nicht spurlos an einem selbst vorüber.

An Die Wohnung habe ich fünf Jahre gearbeitet. Nebenher gab ich Kurse im Drehbuchschreiben - für Spielfilme, denn das ist ein guter Ausgleich: das Überraschende und oftmals Chaotische des Lebens mit dem Bedürfnis zu verbinden, eine Geschichte zu erzählen.

Zunächst dachte ich ja, dass die Eigenart meiner Familie, über die Vergangenheit kein Wort zu verlieren, einzigartig sei. Doch seit der Film gezeigt wird, sehe ich, dass Menschen ihn mit Fragen an ihre eigenen Eltern verlassen, die sie offensichtlich nie gestellt haben. Oder dass andere sich darüber bewusst werden, ihren Kindern bisher wichtige Dinge verschwiegen zu haben. Das hat für einige Gespräche zwischen den Generationen gesorgt.

filmstillDie Wohnung meiner Großeltern hatte immer eine besondere Bedeutung für mich. Ich wollte darin drehen, bevor sie aufgelöst würde und die Welt, die darin konserviert war, für immer verschwunden wäre. Ein Kameramann kam dazu und wir hielten die Dinge der Wohnung fest, ohne daran zu denken, dass irgendetwas Wichtiges zum Vorschein kommen könnte. Und dann, nach und nach, machten wir in dieser Wohnung Entdeckungen. Das wurde immer beunruhigender. Die Nachforschungen bekamen eine eigene Dynamik und neue Charaktere tauchten auf, völlig unerwartet für uns. Auch das Filmteam wurde größer und plötzlich war das Projekt eine deutsch-israelische Koproduktion. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass der Film, während er entstand, nicht aufhörte, mich zu überraschen und zu verändern.